Verbraucher sprechen sich für den Nutri-Score aus

(Bonn, 2. Oktober 2019) Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am Montag das Ergebnis seiner Verbraucherbefragung zur verbesserten Nährwertkennzeichnung vorgelegt: Im Ergebnis hat sich die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher für das aus Frankreich stammende Nutri-Score-Modell ausgesprochen. Ministerin Klöckner hat angekündigt, im Oktober 2019 einen Verordnungsentwurf vorlegen zu wollen, mit dem sie die Einführung dieses Modells zur ergänzenden Nährwertinformation vorschlagen wird.

Kulinaria Deutschland steht dem Nutri-Score-Modell – auch, wenn es, wie jedes Modell, Schwächen zeigt – grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, betont aber das Prinzip der Freiwilligkeit und mögliches Verbesserungspotenzial. „Wertende Modelle zur Nährwertinformation, wie hier mittels einer mehrfarbigen Skala, stellen die Realität immer nur stark vereinfacht dar, und werden daher vielen Produkten nicht gerecht“, so Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer von Kulinaria. „Dies gilt vor allem bei Modellen, bei denen die Bewertung auf 100g/ml des fertigen Produkts bezogen wird, wie dies beim Nutri-Score der Fall ist. Viele kulinarische Produkte, wie z.B. Feinkostsaucen, werden in viel kleineren Mengen verzehrt, so dass das Modell in diesem Fall die tatsächliche Bedeutung für die Gesamternährung überbewertet. Unser Verband regt daher an, die Verbraucher zur Bedeutung der Portionsgrößen in einer ausgewogenen Ernährung bei der Umsetzung des Nutri-Score-Modells zu informieren.“

Die Nutri-Score-Regeln sollten klar festlegen, dass z.B. Fixprodukte zubereitet, also mit den frischen Zutaten bewertet werden, und nicht pro 100 g Pulverprodukt. Auch ist das Berechnungsmodell in Teilen nicht schlüssig: So werden Kartoffeln und andere stärkehaltige Wurzeln nicht zu den Gemüsen gezählt. „Aus heutiger Sicht ist es nicht nachvollziehbar, warum Kartoffeln, Süßkartoffeln, Maniok und andere stärkehaltige Knollen und Wurzeln nicht im Nutri-Score berücksichtigt werden dürfen, während Gemüsearten wie z. B. Mais, die in den Nährwerten mit Kartoffeln vergleichbar sind, als wünschenswert beurteilt werden“, so Weck. Auch die Differenzierung nach dem Verarbeitungsgrad der eingesetzten Zutaten erscheint bisweilen willkürlich: „Getrocknete Früchte sind wünschenswert, gefriergetrocknete hingegen nicht.“

Der Verband und seine Mitgliedsunternehmen werden sich offen mit dem Nutri-Score auseinandersetzen, wobei es letztlich jedem Unternehmen überlassen bleiben muss, ob es das Modell umsetzt. „Die Feststellung, dass es sich um ein freiwilliges System handelt, ist aus unserer Sicht entscheidend. Es kann gute Gründe geben, bei Produkten, deren Bedeutung für die Gesamternährung vernachlässigbar ist, auf den Nutri-Score zu verzichten“, betont Weck.

Kulinaria Deutschland vertritt rund 130, meist mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie aus den Bereichen Feinkost und Fertiggerichte, Suppe, Essig, Senf und Desserts.

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